Welttag der Sozialen Gerechtigkeit

Morgen (20. Februar) ist der Welttag der Sozialen Gerechtigkeit, ein Thema mit dem auch ich mich vor kurzem – es war in der Vorweihnachtszeit – beschäftigt habe. Daraus ist ein Text entstanden, in dem ich einige Gedanken verarbeitet habe. Vielleicht regt er den einen oder anderen Leser auch zum nachdenken an …

 

 

Was bin ich doch privilegiert! Ich muss nicht jede Sekunde meines Lebens Angst davor haben, dass mir eine Bombe auf den Kopf geworfen wird. Ich kann auf die Straße gehen, wenn mir danach ist und auch nach Einbruch der Dunkelheit muss ich nicht fürchten, von einer Horde Menschen, welcher Gesinnung sie auch immer sein mögen, überfallen zu werden. Das kann leider nicht jeder Mensch in unserer Welt über sein Leben sagen.

 

Was bin ich doch privilegiert! Ich kann meine Meinung zu jeder Zeit und überall in meinem Land frei äußern, ohne dafür geschändet, angezündet, verhaftet, weggesperrt oder verfolgt zu werden. Wenn ich mir meine Haare schneiden lassen will, kann ich meine Frisur frei wählen und muss mir nicht von einer Tafel, auf der für mich bereits eine Vorauswahl getroffen wurde, eine aussuchen. Das kann leider nicht jeder Mensch auf unserem Planeten über sich sagen.

 

Was bin ich doch privilegiert! Ich kann in den Supermarkt gehen, wenn ich Hunger oder Durst habe und mir fast alles kaufen, was ich will. Das Angebot scheint fast unbegrenzt und manchmal erscheint mir das auch zu viel zu sein. Das merke ich daran, dass ich mich gar nicht entscheiden kann, was ich denn nehmen soll. Ich muss nicht täglich zu irgendeiner Essensausgabe gehen, um mir dort eine abgewogene, viel zu kleine Menge lauwarmes Essen abholen zu können, um anschließend fast genauso hungrig wie zuvor nach Hause zu gehen. Das kann leider nicht jeder Mensch auf der Erde über seine Situation sagen.

 

Ich habe ein warmes zu Hause, Kleidung, die ich mehrmals täglich wechseln könnte, einen Job, der es mir erlaubt, Geld für Dinge auszugeben, die ich eigentlich nicht brauche. Ich muss keine Sachen auftragen, die zuvor schon meine Geschwister getragen haben, ich muss nicht in einer Fabrik Kleidungsstücke für Menschen in westlichen Ländern zusammennähen, die ich mir selbst niemals leisten könnte, um mir von ein paar Cent, die ich für meine harte Arbeit bekomme, noch nicht einmal das nötigste zum Leben kaufen zu können. Das kann nicht jeder Mensch ertragen …

 

Und was mache ich? Ich beklage mich über das miese Wetter, rege mich darüber auf, wenn mal wieder die Batterien der Fernbedienung leer sind und kaufe Fleisch, das bereits mehr von der Welt gesehen hat, als ich. Nein, was bin ich doch privilegiert! Das sind alles nur Luxusprobleme und manchmal, ja manchmal, schäme ich mich dafür, weil es doch im Grunde genommen nur eine glückliche Fügung ist, dass ich diesen Text aus genau dieser Perspektive schreiben kann …

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